Die Logistik von Gefahrgut.

Mit der Logistik von Gefahrstoffen bzw. Gefahrgut ist eine Vielzahl an einzuhaltenden Verordnungen und Vorschriften verbunden.

Wir von warespace. möchten Ihnen zunächst erklären, was überhaupt Gefahrgüter sind und was Sie bei der Gefahrgutlogistik zu beachten haben, damit Ihre Ware sicher ans Ziel kommt.

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Definition von Gefahrgut.

Ein Gefahrstoff kann ein Feststoff, Gas oder eine Flüssigkeit sein, der für Menschen oder die Umwelt schädlich sein kann. Bei Gefahrgütern handelt es sich um Stoffe oder Gegenstände, die aufgrund ihrer Eigenschaften im Rahmen der Handhabung, Lagerung und des Transportes gefährlich für Leben, Gesundheit und Sachwerte sind. Diese Stoffe können bspw. explosionsartig, reizend oder auch Krebs erregend sein. Es ist von hoher Bedeutung, dass alle beteiligten Parteien entlang der Lieferkette über den jeweiligen Gefahrstoff sowie seine Auswirkungen in Kenntnis gesetzt sind und alle Vorschriften für Gefahrgüter eingehalten werden.

Die Logistik von Gefahrgütern ist ausgesprochen komplex. Zu der stets umkämpften Wettbewerbssituation und hohem Zeit- und Kostendruck gesellen sich diverse Vorschriften und Gesetze wie das Gesetz über die Beförderung gefährlicher Güter (GGBefG). Daher müssen alle Beteiligten der Logistik von Gefahrgut entsprechend ausgebildet und unterwiesen sein.

Gefahrgüter im Alltag.

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Natürlich haben wir auch privat, wenn auch teils unbewusst, mit Gefahrgut Produkten zu tun. Dazu zählen zum Beispiel:

- Kraftstoff für das Auto

- Frostschutzmittel im Winter

- Spiritus

- Gasflaschen für Grillabende

- Deo Spray; Parfum

- Desinfektionsmittel

- Reinigungsmittel

- Farben

- Lithium Ionen Akkus

- ...

Der Anteil des privaten Transports von Gefahrgütern ist im Vergleich zu dem der Wirtschaft und Industrie jedoch gering.

In Deutschland werden ungefähr 300 Millionen Tonnen Gefahrgut transportiert. Allein 148 Millionen Tonnen fallen dem Transport auf der Straße zu. Damit ist das Thema Gefahrgut nicht nur für die Logistik sondern für alle Verkehrsteilnehmer relevant.

Gefahrgutklassen.

Hierzulande sind Gefahrgutverordnungen (bspw. GGVSee, GGVS, GGVE, GGVBinSch) die regelnde Instanz, wenn es um den nationalen sowie internationalen Versand von Gefahrgütern geht. Das nationale sowie internationale Gefahrgutrecht klassifiziert neun verschiedenen Gefahrgutklassen. Jedem Stoff wird eine UN-Nummer (UN=United Nations) zugeteilt. Von diesen gibt es derzeit mehr als 3.500.

Klasse 1:

Explosive Stoffe

Klasse 2:

Gase und gasförmige Stoffe

Klasse 3:

Klasse 4:

Klasse 5:

Entzündbare flüssige Stoffe

Entzündbare feste Stoffe

Entzündend wirkende Stoffe

Klasse 6:

Klasse 7:

Klasse 8:

Klasse 9:

Giftige Stoffe

Radioaktive Stoffe

Ätzende Stoffe

Verschiedene gefährliche Stoffe und Gegenstände

Beförderungsarten.

1. Stückgut (in Kisten, Fässern, Kanistern, Gasflaschen oder IBCs)

2. Lose Schüttung (unverpackte Güter; z. B. Filterstäube, Schüttgut Container)

3. Tank (typische Vertreter: Mineralölhändler)

Bei den Beförderungsarten ist eine Beförderungseinheit ein Kraftfahrzeug ohne Anhänger oder eine Einheit aus Kraftfahrzeug mit Hänger

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Sichere Handhabung.

Sowohl auf nationaler wie auch auf europäischer und internationaler Ebene gibt es Regeln für den Umgang mit Gefahrgütern. Das ADR-Abkommen regelt die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße. Wenn dieses missachtet wird, drohen hohe Bußgelder.

 

Klare Vorschriften für den Transport müssen immer eingehalten werden. Rechtlich besteht die Verpflichtung, dass durch Klassifizierung, Verpackung und Kennzeichnung deutlich gemacht wird, dass es sich um Gefahrgut handelt. Einerseits kann so ein sicherer Transport gewährleistet werden. Andererseits kann sichergestellt werden, dass sich alle an der Lieferkette beteiligten Parteien der Gefahr der Güter bewusst sind. Darüber hinaus müssen Gefahrgutsendungen genau dokumentiert werden.

Es gibt spezielle Gefahrgutlager, die bestimmten Regeln obliegen. An Eingängen müssen Warn- bzw. Verbotszeichen angebracht sein und die Fußböden dürfen nicht durchlässig für Flüssigkeiten sein. Gefahrgutlager werden in Zonen eingestuft. Je nach Einstufung müssen Beleuchtungen explosionsgeschützt aufbereitet sein.

 

Die Ware muss mit Gefahrzetteln (Gefahrensymbol und Zahl der Gefahrgutklasse) und einer Gefahrentafel (Nummer zur Kennzeichnung der Gefahr und UN-Nummer) ausgezeichnet werden. Bei einer Gefahrentafel steht in der oberen Zeile die Gefahrnummer und in der unteren die UNNummer.

Die Gefahrentafel.

Hat eine Beförderungseinheit mehrerer Gefahrgüter in Form von Versandstücken geladen und kommt es über die Zahl von 1.000 Gefahrenpunkten, muss der Fahrer des Fahrzeuges vorne und hinten die Gefahrentafeln (auch Neutrale Tafel) ausklappen. Die Gefahrguttafel muss reflektieren, witterungsbeständig und für 15 Minuten feuerfest angebracht sein. Sie sollte also nicht mit einem Strick, Kabelbindern oder Klebeband befestigt werden. Die Funktion der Gefahrentafel ist es, als Warnhinweis nach außen (z.B. für Rettungskräfte) zu dienen.

 

Bei Tank und loser Schüttung wird die Gefahrentafel mit Zusatzinformationen versehen, da hier nur 2-3 verschiedene Gefahrgüter geladen sind.

40 cm

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30 cm

Nummer zur Kennzeichnung der Gefahr/Kemler-Nummer

UN-Nummer/Stoff-Nummer

Gefahrnummer.

Die Gefahrnummer gibt Auskunft darüber, welche Haupt- und Nebengefahren der jeweilige Stoff mit sich bringt. Die jeweilige UN-Nummer definiert die Zusammensetzung des Gefahrguts

2:

Entweichen von Gas durch Druck oder chemische Reaktion

3:

Entzündbarkeit von flüssigen Stoffen und Gasen

4:

Entzündbarkeit von festen Stoffen

5:

Oxidierende also brandfördernde Wirkung

6:

Giftigkeit oder Ansteckungsgefahr

7:

Radioaktivität

8:

Ätzwirkung

Gefahr einer spontanen heftigen Reaktion

9:

Wenn die Gefahr des geladenen Stoffes durch eine der Ziffern ausreichend dargestellt werden kann, wird eine Null angehangen (z. B. 40). Bei einer Zunahme der entsprechenden Gefahr wird die Ziffer verdoppelt (z. B. 44). Wenn Stoffe verschiedene Gefahren haben, werden die Ziffern kombiniert (z. B. 459). Steht vor der Ziffer ein "X" dann bedeutet dies, dass der Stoff in gefährlicher Weise mit Wasser reagiert.

Die 1.000 Punkte Regel.

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Bei der 1.000 Punkte Regel handelt es sich um eine Freistellung/Ausnahme im Gefahrgutrecht, deren Nutzung freiwillig ist. Die Regel ist an die transportierte Gefahrgut menge gekoppelt. Darüber hinaus gilt diese nur für den Versandstückverkehr/Stückgutverkehr und nicht für den Tank und die lose Schüttung.

 

Eine Beförderungskategorie gibt an, welche höchstzulässige Gesamtmenge eines Gefahrgutes je Beförderungseinheit ohne Beachtung der Vorschriften des ADR transportiert werden darf.

 

0

 

 

0

 

1

 

20


2


3

 

333

 

1.000

 

3

 

50

 

unbegrenzt

 

1

 

-

 

0

Beförderungskategorie

höchstzulässige Gesamtmenge je Beförderungseinheit [kg/l]

Faktoren


4

Kilogramm: feste Stoffe; verflüssigte und gelöste Gase

Liter: flüssige Stoffe; verdichtete und absorbierte Gase

Werden die 1.000 Punkte nicht überschritten, erfolgt eine Freistellung von einigen wesentlichen Vorschriften:

- Der Fahrer muss nicht Inhaber eines ADR Scheins sein.

- Das Fahrzeug muss nicht mit einer Gefahrentafel gekennzeichnet sein.

- Es ist keine schriftliche Weisung für den Fahrer notwendig.

- Der Fahrer benötigt keine persönliche Schutzausrüstung nach dem Gefahrgutrecht.

 Im Beförderungspapier muss immer stehen, wie viele Gefahrenpunkte der Transport hat.

Auch in unserem Partnernetzwerk der CargoLine gibt es eine große Expertise hinsichtlich des Gefahrguts. Dabei werden die Kunden bei anspruchsvollen Anforderungen an das zu transportierende beziehungsweise zu lagernde Gefahrgut unterstützt. Bei Fragen und für mehr Infos können Sie sich jederzeit an uns wenden. Nehmen Sie gern Kontakt zu uns auf.